Eine triviale Komödie für ernsthafte Leute von Oscar Wilde
| John Worthing | Stephan Schotten |
| Algernon Moncrieff | Daniel Stenmans |
| Pastor Chasuble | Pascal Ziener |
| Diener Merriman | Michael Seiltgen |
| Butler Lane | Oliver Schad |
| Gwendolen Fairfax | Verena Stenmans |
| Lady Bracknell | Susanne Neufeld |
| Cecily Cardew | Katrin Schotten |
| Miss Prism | Lisa Vos |
| Oscar Wilde | Christian Vos |
"Bunbury oder Es ist wichtig Ernst/ ernst zu sein" so der Titel von Oscar Wildes "trivialer Komödie für ernsthafte Leute". Das Stück, das unter dem Originaltitel "The Importance of being Earnest" 1895 in London uraufgeführt wurde, ist das berühmteste und meistgespielte aus der Feder Wildes. Auch hier steht, wie bei Wilde üblich, eine gewisse Gesellschaftskritik im Vordergrund, die mit Wortwitz und Charme dargeboten wird, denn "In Sachen von großer Wichtigkeit ist Stil, nicht Aufrichtigkeit das Entscheidende".
Der in London lebende Algernon Moncrief nutzt seinen erfundenen Bekannten Bunbury für Ausflüge auf das Land. Sein dort lebender Freund John Worthing nutzt seinerseits einen erfundenen kranken Bruder um zeitweilig in die Stadt zu fliehen. Dort findet er Gefallen an Algernons Cousine Gwendolen, die aber unter Kontrolle ihrer Mutter, Lady Bracknell, steht. Eines Tages taucht dann Algernon als kranker Bruder bei John auf dem Land auf und verliebt sich in Cecily, deren Vormund John ist. Ausreichende Voraussetzungen für eine Verwechslungskomödie auf hohem Niveau, bei dem das E(e)rnst sein eine wichtige Rolle spielt.
Für die Inszenierung haben wir zunächst die meisten politischen und sozialkritischen Momente aus dem Stück gestrichen, da weder wir noch das Publikum sie verstehen würden. Außerdem konnten wir so etwas mehr "Schwung" in das Stück bekommen. Zudem nutzen wir den Butler als komische Figur, indem wir ihn dem Alkohol nicht abgeneigt zeichneten. Auch die besondere Beziehung zwischen Miss Prism und dem Pfarrer wurde von uns betont. Ob wir damit Oscar Wilde gerecht wurden, ist schwer zu sagen, für das Publikum war es sicher von Vorteil. Eingerahmt wurde das Stück unsererseits durch den Auftritt Oscar Wildes, der ein paar Worte zu sich und dem Stück sagte, um so das Verständnis des Publikums zu fördern. Zeitlich blieben wir vollständig im 18./19. Jahrhundert, wozu vor allem die Kostüme und auch die antiken Möbel gehörten.
Der Großteil des Bühnenbildes, die Wände und der Garten, bestand aus unserer Morde Deinen Nächsten-Deko. Hinzu kamen für den 2. Akt noch ein Haufen Blumen, die uns ebenso gestellt wurden, wie einige antike Gegenstände, die ein Kevelaerer Geschäft uns zur Verfügung stellte.
Die Kostüme wurden bei einem Kostümverleih geliehen und passten so natürlich genau in die Zeit. Auch wenn der Trage- und Bewegungskomfort damit auf der Bühne doch etwas eingeschränkt war.
12. + 13. Oktober 2000; Begegnungsstätte Kevelaer
Sprunghafter Anstieg der Anzahl der Mitspieler. Auf einmal standen wir zu zehnt auf der (dafür recht kleinen) Bühne. Die Kostüme aus dem Kostümvereleih und damit vor allem wirklich wie aus der viktorianischen Zeit, dazu Möbel und Requisiten aus einem Laden für englische antiquarische Sachen. Highlights waren sicher der Butler und der Handabdruck auf dem Allerwertesten von Hochwürden...Ach, und Oscar Wilde war auch da.
Einfach mal einen Blick reinwerfen
Zugegeben, ich hab Bunbury mit durchgedrückt. Vielleicht ist deshalb kein so gutes Stück wie sein Vorgänger rausgekommen, weil eben nicht der Rückhalt der ganzen Gruppe da war. Vielleicht lag es aber auch daran, dass das Stück für die neue, wesentlich größere Gruppe einfach zu schwierig war. Damit meine ich nicht den Stoff an sich, sondern eben die Tatsache, dass die Gruppe sich erst mal finden und aneinander gewöhnen musste. Ich selbst habe mich in meiner Rolle und vor allem dem Kostüm sehr wohl gefühlt. Durch die alte Sprache gewann das Stück seine Herausforderung und damit seinen Reiz. Ein bisschen mehr Zeit zum Ende hin hätte uns aber sicher gut getan. (Stephan Schotten)